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Geschälte
Äpfel – christina
Ich hatte den Apfel geschält, fein gerieben und mit Vanille und
einem Hauch Nelke verrührt, so wie sie es liebte. Dann stand ich
mit der Schale und einem Löffel neben ihrem Bett. Sie hatte die
Augen geschlossen und atmete ruhig. Sanft strich ich ihr über die
weißen Haare, berührte leicht ihre warme Wange. Sie schlief
weiter. Ich setzte mich und wartete.
Wir bauten Häuser aus Dominosteinen und immer wenn alle fein
übereinander gestapelt waren, wackelte ich am Tisch und sah
lachend zu wie das Haus zerfiel. Dann sammelten wir wieder alle
Steine auf und bauten das nächste Haus, das viel schöner war, als
das zuvor.
„Marie, jetzt machen wir eine Pause. Räum’ alles auf und komm in
die Küche.“ Sie stand auf, ging in die Speis und holte den Korb
mit den Äpfeln. „Such’ zwei aus. Einen für dich und einen für
mich.“
Mit meinen kleinen Händen griff ich nach den zwei größten Äpfeln
und gab sie ihr. „Die da!“ Und ‚die da’ wetteiferten mit meinen
roten, erhitzten Backen.
Sie setzte mich auf meinen Stuhl und ich sah ihr zu: Sie holte
einen Teller, ein Messer und setzte sich schräg gegenüber. Sie
schälte den ersten Apfel und meine Augen hingen gebannt an ihren
Händen und der immer länger werdenden Schlange aus der
Apfelschale; die gab sie mir und ich rollte sie begeistert
zusammen und legte sie in die Mitte des Tellers. Als sie die
Apfelschnitze drumherum gelegt hatte, schob sie den Teller in die
Mitte und abwechselnd nahmen wir ein Stück, zuerst ich und dann
sie. Als wir auch den zweiten Apfel gegessen hatten, räumten wir
auf und dann las sie mir vor. Von schönen Prinzessinnen und bösen
Hexen, von verwunschenen Fröschen und Zwergen und ...
Ich kann mich nicht daran erinnern, ob das die ersten Äpfel waren,
die sie für mich geschält hat. Es war der letzte, den ich für sie
geschält habe.
© Christina
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Gevögelte
Zitrone
Das Vorspiel
Seit zwei Tagen lag sie nun schon in einer Glasschale neben
säuerlichen Äpfeln, üppigen Birnen, beleibten Orangen, hochnäsigen
Limetten, steifen Bananen, einer unreifen Ananas und langweilte
sich. Sie hatte sich wirklich gefreut, als eine Hand im
Feinkostladen nach ihr gegriffen hatte, an ihr geschnuppert wurde
und sie mit vielen anderen Köstlichkeiten in einem Korb in diese
Küche getragen wurde. Giallina, eine in Sizilien gewachsene,
strahlend-gelbe Zitrone in prallem Saft stehend und unbehandelt; wie
die Natur es vorgesehen hatte.
Am frühen Nachmittag, gerade als sie zum wiederholten Male die
Basilikumblätter am Fensterbrett zählen wollte, kam jemand in die
Küche, stellte einen Korb auf den Tisch und packte aus: Baguette,
Datteln, San Daniele Schinken, Gruyère, Ziegenkäse, verschiedene
Salate, Tomaten, einen Bund Karotten, Lauch und ein Huhn. Sie stieß
einen verzückten Schrei aus, als sie es genauer betrachtete: es war
ein wohlgenährter Vogel aus Bresse, eine Poularde. Welch ein
Glücksfall, dachte sie und hoffentlich ... nein, sie wagte gar nicht
daran zu denken, dass sich ihr Saft womöglich nicht mit dem des
Vogels vereinigen durfte.
Musik. Sie zog sich zusammen um sich gleich darauf wieder zu
entspannen, als sie La Traviata erkannte. Er kam wieder in die
Küche, schenkte sich ein Glas Wein ein. Sie lauschte der Musik und
genoss es, ihm bei seinem geschäftigen Treiben zuzusehen: Er knetete
kräftig einen Hefeteig bis er samtig glatt schimmerte. Dann hackte
er Walnüsse, würfelte Gruyère, entsteinte Datteln und so sehr ihr
alles gefiel, so sehnsüchtig schielte sie gelegentlich zum
Kühlschrank, wo dieses Prachtexemplar von Vogel war. Die Walnüsse
knetete er in den Teig und in einer Kastenform schob er ihn ins
Rohr.
In diesem Moment klingelte es und ein anderer Mann betrat kurz
darauf die Küche. Die beiden redeten, lachten, tranken Wein und
bereiteten das Abendessen weiter vor: Der Tisch wurde gedeckt, Salat
gewaschen, Tomaten geviertelt, Karotten geraspelt, die Datteln mit
dem Käse gefüllt und mit hauchdünn geschnittenem Pancetta
eingewickelt. Das Nussbrot war fertig und verströmte den gemütlichen
Duft frisch gebackenen Hefeteiges in der ganzen Küche. Ihm folgten
die Datteln ins Rohr. Giallina wurde langsam ungeduldig als noch
andere Gäste kamen und sie immer noch unangetastet in der Schale
lag.
Der Akt
Der würzige Duft gebratenen Specks stieg ihr in die Nase als sie
plötzlich sah, wie der Bresse-Vogel abgewaschen und dann sanft
abgetrocknet wurde. Endlich, dachte sie, endlich, es geht los! Salz
und frisch gemahlener Pfeffer rieselten auf seine Haut, ein üppiger
Strahl Olivenöl ergoss sich über ihn und zwei Hände massierten es
liebevoll ein. Die Haut glänzte weich und verführerisch, als sich
zwei Finger vorsichtig zwischen Haut und zarter Brust schoben um
Platz für aromatische Zweige Rosmarin und Lavendel zu machen.
Giallina bebte vor Erwartung als sie sah, wie er auch innen mit
Salz, Pfeffer, Rosmarin und Thymian gewürzt wurde.
Giallina reckte sich der Hand, die nach ihr griff, freudig entgegen,
schmiegte sich an die weiche Haut und genoss dann entspannt den
lauwarmen Wasserstrahl, unter dem ihre gelbe Schale aufmerksam
abgewaschen wurde. Die Wärme öffnete leicht ihre Poren und ein
frischer, koketter Duft entströmte ihr. Sie zitterte, als sie die
Gabel sah, die vorsichtig fünfmal in sie stach, damit sie nachher
ihren köstlichen Saft verschwenderischer verteilen konnte. Langsam
schob die Hand sie in den Bauch der Poularde und Giallina fühlte
sich sofort wohl in der dunklen, feuchten Höhle des Bresse-Vogels.
Genüsslich rieb sie ihre geschmeidige Hülle an die Rosmarin- und
Thymianstengel.
Jetzt wurde es enger und sie stöhnte leicht, als der Rosmarin seine
Nadeln sanft in ihre Schale bohrte. Sie schloss die Augen, drehte
sich langsam um all die Aromen in sich aufzunehmen und bemerkte
kaum, dass es wärmer wurde. Der Geruch wurde intensiver und
plötzlich elektrisierte sie ein heißer Tropfen, der sich den Weg in
ihre Mitte bahnte: Es war der köstliche Geschmack des Vogels, der
mit knisternden Geräuschen außen knuspriger und innen weicher wurde.
Aufgeregt streckte sie ihre Spitze hinaus, sah die braune Haut, roch
den kräftigen Knoblauch und ihr Innerstes vibrierte. Ein weiterer
Tropfen rann langsam über ihre Spitze und noch einer drang in sie
und noch einer und noch einer ... Sie drehte sich, rieb sich auf,
stöhnte von der Hitze, die sie erreicht hatte und als das Rohr
geöffnet wurde, spritzte sie ihren heißen Saft in alle Richtungen.
Erschöpft, matt und glücklich lag sie da und verfolgte mit halb
geschlossenen Augen die Geschehnisse.
Das Nachspiel
Der knusprige Vogel wurde zum Tisch getragen und mit lautem
erwartungsfrohen Geplapper empfangen. Die Gäste hatten sich mit
Sherry und den verschämt verhüllten Datteln auf die Melone mit
Schinken vorbereitet und waren jetzt gespannt auf diese
Köstlichkeit. Der Duft von knusprigem Huhn, Knoblauch, Lavendel und
Zitrone hüllte alle ein, ließ ihre Augen glänzen und die Säfte in
ihren Mündern zusammen laufen.
Giallina wurde aus dem Bauch des Bresse-Vogels geholt und von einem
Teller sah sie zu, wie er fachgerecht tranchiert und dann auf die
Teller verteilt wurde. Sie hörte befriedigt die 'Ahs' und 'Ohs', sah
wie ihr Saft mit dem des Huhns auf frischem Baguette in gierige
Münder geschoben wurde und vom Duft des Weines leicht benebelt
schlief sie müde ein.
Leises Lachen weckte Giallina auf. Sie räkelte sich und sah sich um:
Leere Gläser, auf einigen Tellern Reste von Nussbrot mit Ziegenkäse
und Honig, viele leere Flaschen, aber niemand saß mehr am Tisch.
Während sie die Herkunft des Lachens noch suchte, hörte sie eine
warme Bass-Stimme sagen: „Wie könnte ich jemanden widerstehen, der
solche Gaumenfreuden zubereiten kann!“
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Keine Verabredungen mehr mit Trudy
Es ist einer dieser Samstagabende, die ich hassen müsste, weil ich
alle Samstagabende hasse, seitdem sie weg ist. Irgendwann hatte ich
bemerkt, dass mir die Abendessen mit den Mini-Bonbels („Nur für
dich, weil du sie so liebst!“), fehlten und das Backgammon spielen.
Sobald mir das bewußt war, wurden diese Abende unerträglich und ich
fand zahlreiche Ablenkungen: Parties, Wein und Frauen. Einzeln oder
als abend- und nachtfüllende Cocktails. Eine zeitlang war das recht
vergnüglich, denn vor allem das Auspacken von Frauen war genauso
einfach wie das Herausschälen der kleinen Käselaibe aus der roten
Wachshülle. Je größer und quälender sich die Lücke zeigte, die der
kleine Käse hinterlassen hatte, desto mehr mitfühlende Seelen fanden
mich, die scharf darauf waren, diese Lücke zu schließen. Schnell
wurde ich dieser Ablenkungen überdrüssig, weil sie mich hungrig und
suchend zurückließen. Sie konnten mit dem kleinen Käse nicht
mithalten und seitdem hasste ich Samstagabende.
An einem dieser Samstagabende, lernte ich Trudy kennen, in einer
Bar. Sie ist keine Frau, die mir aufgefallen wäre, aber Charly, der
Barkeeper, hatte sie mir vorgestellt. Schon nach kurzer Zeit war ich
von ihrer kühlen, zurückhaltenden Art angetan. Wir unterhielten uns
eine Weile, und ich spürte, dass sich dahinter eine tiefgehende
Wärme entwickelte, die sie mir nicht vorenthielt. Ich schenkte ihr
ein aufrichtiges Lächeln und wir verbrachten die Nacht zusammen.
Sie führte und bereitwillig ließ ich mich von ihrer verwirrenden
Mischung aus unterkühlter Wärme, nachgiebiger Stärke und
bedingungsloser Hingabe auffangen. Am nächsten Morgen, sie war
längst gegangen und nur ihr leeres Glas zeugte von ihrer
Anwesenheit, schrie jede Faser meines Körpers: oh, Trudy!
Wir trafen uns wieder und wieder und von Mal zu Mal wollte ich mehr
von ihr. Ich trank von ihrem heißen Atem, lehnte mich an ihre
Stärke, löste mich in ihrem weichen Körper auf, doch sie zeigte mir
immer häufiger auch eine kühle, abweisende und zerstörerische Seite.
Ich war ihr verfallen und ich rebellierte dagegen.
Eines Abends, wir hatten uns sehr lange nicht gesehen, ging ich in
die Bar, weil sie dort fast immer anzutreffen war, doch Charly
erzählte mir, dass sie einen neuen Liebhaber gefunden habe. Er
grinste vielsagend und stellte mir Margarita vor. Eine herbe
Schönheit. Wir unterhielten uns angeregt und als mein Glas leer war
ging ich, ohne sie.
Es ist einer dieser Samstagabende, die ich eigentlich hassen müsste,
doch heute bin ich mit einem kleinen Käse verabredet und vielleicht
treffen wir Trudy – auf ein Glas.
PS: Wer Trudy auch kennen lernen möchte, nimmt ein großes Glas,
füllt es mit einigen Eiswürfeln, gibt 4 cl Vodka, 4 cl Cointreau, 6
cl Grapefruitsaft dazu und füllt es bis zum Rand mit Champagner.
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Warum heißt die
Erdbeere Erdbeere?
Es war einmal ein reiches
Königreich Allalas mit einer wunderschönen Prinzessin. Als die
Prinzessin 16 wurde, beschloss ihr Vater, sich langsam nach einem
geeigneten Mann für sie umzusehen, denn seine süße Kleine ging
immer mehr in die Breite, weil sie den ganzen Tag naschte, mal ein
Kuchenstück hier, mal ein paar Nüsse oder Schokolade dort. Sie aß
den ganzen Tag, und je fetter, desto lieber. Obst verabscheute sie
ganz und gar.
Und so verkündete der König, dass derjenige, der seinem
Töchterlein etwas gesundes zum Naschen bringt, das sie auch gerne
isst, ihre Hand bekäme.
Auch Prinz Wallesfred, Sohn und umtriebiger Jungunternehmer eines
benachbarten Fürstentums hatte ein Auge auf die Hand der
Prinzessin, oder vielmehr auf das stattliche Königreich geworfen
und so schickte er einige der fähigsten Köpfe hinaus in die Welt
um dieses gesunde Naschwerk zu finden.
Die Monate verstrichen und eines Tages kam ein junger, ehrgeiziger
Gelehrter mit einer roten, kleinen Frucht mit gelben Pünktchen.
Sie kosteten alle und waren von der saftigen süßen Frucht ganz
begeistert. Der Gelehrte erklärte, dass es ein Rosengewächs aus
Südamerika sei und die kleinen Pünktchen eigentlich Nüsse seien.
Sie nannten die süßen, kleinen Früchtchen „Rotnüsschen“.
Der Prinz war ganz aufgeregt und voller Hoffnung machte er sich
mit seiner Gesandtschaft auf den Weg zur Prinzessin.
Der besondere Tag war gekommen und der Prinz marschierte mit einer
goldenen Schüssel voll reifer Rotnüsschen zum König und der
Prinzessin. In all der Aufregung hatten aber sowohl der König, als
auch der Prinz vergessen, einen Dolmetscher mitzunehmen, denn die
Sprachen waren gar sehr unterschiedlich.
Der Prinz stand also vor der Prinzessin und reichte ihr ein
Rotnüsschen zum probieren. Sie nahm sie, roch daran, biss hinein
und kaute. Sie lächelt, strahlte über das ganze Gesicht und sagte:
„Er be ree!“ Nahm eine und noch eine und dazwischen wieder: „Er be
ree!“ Als die goldene Schüssel leer war, lehnte sie sich mit
glänzenden Augen zurück und sagte wieder: „Er be ree.“ Ihr Vater,
der König strahlte und fragte, wie sie denn den Prinzen fände und
sie musterte ihn von Kopf bis Fuß, kurz, und sagte: „Lii mette zu
sau eeer!“, und schüttelte den Kopf. Der Prinz wurde ganz grau im
Gesicht, weil er gar nichts verstanden hatte.
Der König ließ schnellstens einen Dolmetscher holen. Als dieser
ankam, stand der König würdevoll auf und hielt lächelnd eine
kleine Rede und der Dolmetscher sprach: „Lieber Prinz Wallesfred,
die kleinen Früchtchen liebt meine Tochter, ja, sie sagte immer
wieder „das ist fein!“, aber leider will sie nicht heiraten. Aber
weil sie so großen Geschmack daran gefunden hat, ernennen wir Sie
zum Prinzen h.c. und wünschen täglich frische Lieferungen dieser
Früchtchen.“
Der Prinz atmete auf, denn der Prinz h.c. war ihm doch lieber, als
diese äußerst üppige Prinzessin, die ihn auch noch um zwei Köpfe
überragte. Beim Gehen malte er sich schon aus, wie er diesen Titel
und die roten Früchtchen gewinnbringend nutzen würde und strahlte
übers ganze Gesicht.
Er gründete die Firma Kleiner Prinz, nannte das Rotnüsschen zum
Dank an die Prinzessin, „Erberee“ und verkauft sie in die ganze
Welt. Und auch täglich liefert er frische, rote, köstlich duftende
Rotnüsschen Erberee an den Hof der Prinzessin.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann verkauft der kleine Prinz
immer noch Rotnüsschen Erberee und die Prinzessin nascht und
nascht und nascht.
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