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Christine Marendon
Christine war eine ganze Weile das einzige
weibliche Wesen außer mir in der "Blaupause". Sie gefiel
mir wegen des Witzes ihrer Kommentare und ihrer
Schlagfertigkeit schon bevor sie eigene Texte einstellte und war
mit ausschlaggebend für den eigenen,
übermütig fröhlichen Ton, der in diesem Literaturforum herrschte. Wenn sie nicht da war, fühlte ich mich ein
wenig verloren unter so vielen männlichen 'Kollegen'.
Später traf ich sie auch in
anderen Foren. Persönlich lernten wir uns kennen auf der
Buchmesse in Frankfurt 2000, und anlässlich verschiedener
Lesungen. Inzwischen ist sie
nach Hamburg gezogen und wir haben uns schon verschiedene Male
getroffen. Unsere erste Begegnung in Hamburg war stilvoll
im Literaturhaus, wo sie als Teilnehmerin beim Wettbewerb
"Perlen vor die Säue" las, am 28.
Oktober 2008.
Auch sie hat diverse Foren durchlaufen und immer gestaltend
mitgewirkt u.a. im Forum der 13,
und
in
der goldene fisch
Fisch.
Derzeit
schreibt sie im Blog: http://demo-modus.blogspot.com/
Veröffentlichungen :
Christine Marendon ist
Autorin der Anthologie
"Schattenwelten"
Als
Tallin in einem Projekt des Berliner Zimmers
Lina"-Geschichte
im neuen "Wandler. Zeitschrift
für Literatur. Nr. 29, 2001/02" |
Fotos
von der 'Schattenwelt' - Lesung
in Berlin 2001
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Vogelkind
In der Wohnung, in der ich als Kind lebte, gab es einen alten
Kohleofen. Riesig, gusseisern, mit quietschender Tür und
schwerem Rost, den man anheben konnte. Auf dem Rost stand
Winters ein Aluminiumkessel mit Wasser. Sommers war der Ofen
leer, ohne Feuer. Manchmal gerieten Vögel in den Kamin und
verflogen sich in das Ofenrohr. Dann hörte man Zwitschern und
Flügelschlagen, ein Surren wie aus dem Kern der Erde, von
ganz weit weg. Dann bewegte mein Großvater den Rost, hob den
runden Eisendeckel hoch und öffnete das Fenster. Meist gelang
es dem kleinen Tier, den Ausweg zu finden. Manchmal auch
nicht, dann konnte es sein, dass über viele Stunden das
Kratzen und Schlagen des verendenden Vogels zu hören war.
Ich saß dann auf dem Boden, an den Ofen gelehnt, der im
Winter so heiß war, dass er die Haut verbrannte, im Sommer so
kühl, dass man fror. Ich saß und presste das Ohr an das
kalte Eisen. Ich drückte meine Augen fest zu und hoffte, dass
der Vogel meine Gedanken spüren konnte. Ganz laut dachte ich
an ihn, schrie ihm zu, dass er nur noch ein Stück weiter müsse,
noch ein kleines bisschen Flattern und Hüpfen.
Wenn er nicht kam, erhob ich mich, erschöpft, als hätte ich
etwas Schweres zu tragen. Als wäre es mein Körper, der dazu
bestimmt ist, mit dem ersten Heizgang zu verbrennen.
© Christine Marendon |
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