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Lindenhof, mittags
для Нюшкицу
die Linden: kaum denkbar ohne
das Licht und den Wind, der ihnen
die Blätter gestreichelt, das Zwitschern,
die freundlichen Stimmen dazwischen,
und über der Stadt zum See:
ein gerade geschlüpftes Pärchen
mit Kinderhänden, die einander
den Sommer gedeutet. Hatten sie
ihren zärtlichen Ernst
bei Anderen abgeschaut?
so wie Vögel am liebsten
von jenen lernen, die gleitend
die bange Freude der ersten Versuche
schon lange vergessen, beiläufig
eitel in Anmut und Alter.
oder geschieht das alles von selbst,
wie der Schatten immer der Sonne,
das Schwere dem Jetzt widerfährt?
und: sah das in römisch-elegischer Zeit
denn auch so aus? die Aussicht
war sicher noch besser als
im Reiseführer beschrieben. alleine
Unter den Linden war es dann
doch noch ein wenig frisch
Bahnhofstrasse -
Für Sigrid
Die Bahnhofstraße schluckt
und spuckt Dich immer wieder aus so wie
der Fluss den fliegenden Fisch,
in Richtung Bahnhofsplatz,
da scheint der Rest der Welt ganz nah zu sein,
da springt man rein und raus.
Sommer, nach dem lauten Regen
SOMMER, NACH DEM
LAUTEN REGEN blüht und
Duftet jetzt die Stadt wie Haut und Haare
Dieser reifen Schönen, die wohl grade
Aus der Wanne kam und sicher lieblich
Riecht nach edlen
Walnussbadeperlen.
Seidenzart glänzt Haselöl vielleicht im
Blond an diesem zart gebräunten Unter-
Arm und mir durchs Gassengold der nassen
Stadt entgegen.
Ach, ich traue meinen
Augen kaum, wie sie, flankiert von schönen
Dächern, schön und rock´n´roll an mir vor-
Beiflaniert! Und seh noch, ach, wie sich der
Längst schon
wieder blaue Himmel über
Uns verstohlen freut, wohl über mich.
Sag, wie sagt man das
SAG, WIE SAGT MAN DAS, nach
langer Zeit, und
Ohne dieses Reißen in der Stimme?
Ohne Haken, Ösen, Stahlseilgurtung,
Ohne dieses Netz, das Akrobaten,
Abgelenkt von Liebeskummer, nie bis
Auf den Boden hängen lässt? Und ohne
Die Trochäen, diese schnöden Stimmband-
Stabilisatoren, Travestien
Inn´rer Stürze im hysterisch-heit´ren
Zeilenspringen? Leichter gehn ti amo!,
Quiero! usw. von den Lippen,
Weil in fremden Sprachen… Und Romanisch
Und Romantisch sind ja eh fast ganz das-
Selbe.
Lapad, aus einiger Entfernung
*
wie riechen Deine Brisen im
späten Winter,
wenn noch im März vor den Lippen die Wolke steht,
wenn die letzten Spuren vom letzten Juli im Spiegel
schon im November wie Laub von den Schultern geweht
An welchem Zeh klebt Harz jetzt und Pappelnadel,
bei Wasserpistolenständen, am Weg zum Meer
In welchem Grauton schimmert die weiße Kreide,
die Handtuchmulden am Steinstrand, verflacht und leer
Verbergen jetzt Bretter den Tresen der Strandbar,
wo zu BilligHouse und teuren Cocktails die Nacht
die Glut des Tages in Stein und Batida gehütet,
ein schwarzer Glaswind beständig die Sterne gefacht
Wie unbedeutend hat zwischen zwei Blättern des Kosmos
mit Pinseln die Brise den Bauch gekühlt und gewärmt,
wir wollten nicht hörn, wie flüsternd die rollende Ferne
von ihrem ferneren Ende, dem Winter, geschwärmt.
(Für meine Mutter)
__________
* außerhalb der Altstadt gelegener Stadtteil von Dubrovnik, auf
einer Halbinsel gelegen
nachts, vom Waldrand
nachts, vom Waldrand umwölbter Blick
ins Tal: was,
was blinkte in sich? Dunkelheit suchte,
was, Wachs geworden, abends vom schmalen Tag
in Stilleres abperlte, was, einge-
fangen wurde geschwenkt in sichren Segeln,
entfalteten Weitwinkeln, das bläht sich,
das bläst kopfüber dich mit dem weichen Laub, weit
hinaus in ein Stadtglitzern, das leicht, kaum
merklich erzittert, gleich Wasserspiegeln, taucht dich
hinein und zurück: wirbelnd zum Waldrand,
die schwarzen Rindenrücken hinauf, das bäumt
sich, biegt sich empor, schäumt durch die Kronen,
neigt sich über die Wipfel: das, was ... Was mit
dir aufsteigt zur Zeit, schleudert schon bald dich
hinab, zersplittert, - schmettert dich bald,
verflüchtigt sich früh. Oder gerinnt an
hohen Scheiben zu Vogelschattenschnitten.
Mancher herbstliche Tag
MANCHER HERBSTLICHE
TAG ist wie ein Frühling:
die Sonne, verhüllt, blinzelt und schmiegt sich
in fliederhelle Winde: ein Ruf vom Meer.
Ein Kleeblütenduft
wiegt sich im Halbschlaf,
streicht um Deine schon hochgezurrte Rüstung,
den Kragen wie Zugbrücken nach oben
gezogen, bald verliert sich Dein Blick im Stein.
Doch ganz wie die
Lichtsäulen, die fest ins
Dunkel schweigender Wälder eingelassen,
die zwischen der
Zeit rascher Entwicklung,
wo alles ein vergnüglicher Holperpfad,
fast stolpernd so
schnell rollte Dein Rad aus
dem Dunkel hervor, und alles wirkte wuchtig
und dauerte an,
zwischen der Zeit und
der folgenden, in der Du erinnerst: wenn
die funkelnde
Weinflasche, die früher vor
Aufruhr und Blüte im Park gezittert, nur noch
ein dunkelnder Blutstropfen für Kenner,
dazwischen sticht
das Licht Deines Julis kurz,
nicht schmerzlos hervor. Tritt einen Schritt zu-
rück: ein herbstlicher Tag, ein ganzer Frühling.
© Toma
Montani
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