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Seit über fünf Jahren bin ich nun schon in verschiedenen Literaturforen im Netzt unterwegs. Habe einiges hinter mir gelassen, anderes verschwand von der Bühne. Eine alte Häsin. Manchmal ein wenig müde.
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La vie en rose Durch das zweiflügelige Sprossenfenster fiel mattes Licht ins Zimmer. War es Morgen? War es Mittag ? Ich erinnere mich nicht mehr. Es spielt auch keine Rolle. Ich war sicher noch keine vier Jahre alt und hockte auf dem Teppich im Wohnzimmer. Noch heute sehe ich meine Knie mit den beigebraunen Wollstrümpfen vor mir auf dem Beigebraun des Teppichs. Ich spiele mit den Glaspferdchen meiner Mutter. Durchsichtige, winzige Figuren, vor deren Zerbrechlichkeit ich andächtige Zärtlichkeit empfinde. Behutsam fasse ich ein milchblaues und ein orangenes Pferd zwischen Daumen und Zeigefinger und lasse sie in weichen Bögen nebeneinander durch die Luft galoppieren. Dabei spreche ich so leise mit ihnen, dass ich meine Stimme selber kaum höre. Ob ich Angst hatte, belauscht zu werden? Vielleicht fürchtete ich auch, die Stille zu entweihen, die sich über dem Zimmer wölbte, obwohl der Plattenspieler lief. Von meinem Platz aus sehe ich die Nadel über dem Rand Schallplatte auf und ab hüpfen. Die Nadel kratzt ein wenig in ihrer Spur. Eine einschmeichelnde Männerstimme singt „Schau mich bitte nicht so an...“ Jahre später erfuhr ich, dass das Lied eigentlich „La vie en rose“ heißt. Immer wenn ich es höre, sehe ich meine Mutter. Sie sitzt mit dem Rücken zu mir, am runden Esstisch, über ein Kreuzworträtsel gebeugt und raucht. Von der Zigarette in ihrer Hand steigt ein feiner Rauchfaden auf und kräuselt sich vor dem Hintergrund des Zimmers. Der Plattenspieler steht auf der Anrichte, daneben ein Foto mit meinem Vater in Uniform und eines von meiner Mutter, die meinen Bruder auf dem Arm hält. Wie hübsch sie ist. Wenn einmal ich groß bin, will ich sein wie sie. „Mama“, sage ich „guck mal“, und halte die Pferdchen ein Stückchen höher, ihr entgegen. Sie antwortet nicht. „Mama, guck doch mal.“ „Lass mich in Ruh.“ Ihre Stimme klingt nachdrücklich, schneidend. Sie dreht sich nicht zu mir um. Auch nicht, als ich leise aufschreie. Das blaue Pferdchen ist mir entglitten und landet mit einem feinen „Pling“ auf einem der anderen Glaspferde. Ein Bein ist abgebrochen. Ich schluchze. - Der Plattenteller dreht sich nicht mehr. Die Nadel steht jetzt über der Platte. Und ich sehe nur noch den Rücken meiner Mutter. ______________________________________
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